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Schober droht mit Klage

28. April 2010

Am 21.04.2010 erreichte uns die Email eines Anwalts im Auftrag der Schober Information Group Deutschland GmbH mit dem kryptischen Betreff „Akzenzeichen 854/08X02 9/fk D8/D2934“. Daran angehängt fand sich eine Datei namens „Microsoft Word – D2934_DOC.pdf“, die ich glücklicherweise auf meinem Ubuntu-System, sogar ohne Microsoft Word, öffnen konnte:

Unsere Mandantin betreibt keine eigene Auskunftsdatenbank und ist auch keine Auskunftei. Insbesondere werden bei unserer Mandantin auch keinerlei Scorewerte etc. gespeichert. Durch die falsche Nennung unserer Mandantin in Ihrer unter der oben aufgeführten Adresse vorgehaltenen Liste ist unserer Mandantin bereits erheblicher Schaden dadurch entstanden, dass diese derzeit eine Vielzahl von Anfragen, veranlasst durch Sie, zu bewältigen hat. Unsere Mandantin behält sich insbesondere vor, Sie hinsichtlich des bereits entstandenen bzw. des noch entstehenden Aufwands schadensersatzpflichtig zu halten.

In jedem Fall haben wir Sie hiermit aufzufordern, den Eintrag unserer Mandantin unter der Website www.Selbstauskunft.net/Unternehmen unter der Liste Unternehmen mit eigener Datenbank unverzüglich, spätestens bis zum Freitag, den 23.04.2010, 12 Uhr zu entfernen.

Wir weisen darauf hin, dass diese Frist nicht verlängerbar ist und, sollte die Frist fruchtlos verstreichen, unsere Mandantin ohne weitere Ankündigung gerichtliche Hilfe in Anspruch nehmen wird.

Tatsächlich: Die Schober Information Group ist „nur“ eine der größten Adresshändler Deutschlands. Eine gute Gelegenheit also, um unsere Datenbank auch auf diese Branche auszuweiten. Als ich 2008 einmal unerwünschte Werbung in meinem Briefkasten vorfand, führte meine Recherche direkt zur Schober Information Group. Eine Selbstauskunfts-Anfrage [pdf] bei Schober brachte dann zu Tage, dass ich im Jahr 2000 offenbar an einer „Lifestyle Martanalyste und Konsumentenbefragen“ teilgenommen und damit meine Daten für solche Zwecke freigeben habe. Schober konnte mir leider keine Auskünft darüber geben, an wen meine Adresse übermittelt wurde:

Eine regelmäßige Übermittlung von Adressen an bestimmte Empfänger erfolgt nicht. Die Adressen werden jeweils nur zur einmaligen Nutzung für einelne Werbeaktionen zur Verfügung gestellt. Zu unseren Kunden zählen namhafte Unternehmen aus verschiedensten Branchen – z.B. Markenartikler, Verlage, Autohersteller, Handel und Dienstleistungsunternehmen. An wen Ihre Adresse in der Vergangenheit vermittelt wurde ließe sich daher nur anhand der Mailingsendungen, die Sie erhalten hatten, recherchieren.

Heißt übersetzt: Man übermittelt meine Adresse an jedes Unternehmen, das mir gerne Werbung schicken möchte und weiß anschließend selbst nichts mehr davon. Meine Antwort an den Anwalt vom 26.04.2010:

leider konnte ich Sie eben telefonisch nicht erreichen. Ihre Mandantin, die Schober Information Group Deutschland GmbH, bietet nach eigenen Angaben in ihrer „Consumer MarketBase“ rund „50 Mio. Privatadressen aus D und 10 Milliarden Zusatzinformationen“ an. Wir gehen deshalb davon aus, dass sie nach §34 BDSG auskunftspflichtig ist und entfernen sie NICHT aus unserer Datenbank.

Die Antwort des Anwalts ließ nicht lange auf sich warten:

danke für die erfrischende Klarheit Ihrer Worte. Gerne beantworte ich Ihre Schreiben dann ebenso klar wie folgt:  Dann werden wir Sie gerichtlich dazu bringen, Ihre Ansicht kurzfristig noch einmal zu überdenken.

Dann mal los!

  1. 28. April 2010, 01:53 | #1

    Lasst euch von solchen „Typen“ nicht einschüchtern. Der Kampf gegen die Spam-Mafia war nie leicht und wird es auch nicht werden. Ich bin gespannt ob man sich wirklich traut dies vor Gericht austragen zu wollen.

  2. *hust*
    28. April 2010, 13:06 | #2

    *hust* Sievekingplatz *hust* Landgericht Hamburg *hust*…

  3. 28. April 2010, 15:43 | #3

    *hust* :
    *hust* Sievekingplatz *hust* Landgericht Hamburg *hust*…

    Falls das LG Hamburg zuständig ist, wie würde dann die Urteilsbegründung gegen selbstauskunft.net aussehen? …

    (Weiterer Text wurde vorsorglich von Autor selbst Zensiert.)

  4. 29. April 2010, 08:37 | #4

    @*hust*: Das Landgericht Hamburg dürfte hier nicht zuständig sein. Einen fliegenden Gerichtsstand gibt es in diesem Fall nicht, und in solchen Fällen ist AFAIK der Gerichtsstand des Beklagten zuständig.
    Das wäre in diesem Fall Bremen, und die Bremer Gerichte sind da sehr viel Verbraucherfreundlicher.

  5. Stefan
    3. Mai 2010, 17:14 | #5

    Ich stelle gerne meine Anfrage bzgl. BDSG an ALLE Schober-Firmen zur Verfügung. Man schrieb mir man hätte meine Daten aus dem TELEFONBUCH entnommen.

    Lustig daran ist ich hatte noch NIE einen Telefonbuch-Eintrag.
    Sollten die Schobers gegen selbstauskunft.net klagen kann ich ja mal auf Auskunft, unterlassung und Schadensersatz klagen.

    Mir wollte das in Ditzingen ansässige Unternehmen auch keine Auskunft erteilen wer meine Daten für Mailings gekauft bzw. gemietet hat.

    Ich kann ja mal alle mir zur Verfügung stehenden Bankverbindungen der Schobers veröffentlichen. Diese sind auch aus öffentlich zugänglichen Quellen. Ein berechtigtes Interesse vorrausgesetzt. Ein Widerspruch der Veröffentlichung liegt mir nicht vor.

    Gruß Stefan

  6. Stefan
    3. Mai 2010, 17:32 | #6

    Kann natürlich sein dass die Auskunftei von einem anderen Unternehmen der Schober Gruppe im selben Gebäude betrieben wird. Das weiss aber weder der Betroffene, der Werbebetreibende noch wird das auf der Homepage kommuniziert.

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