Home > Allgemein > Mieterauskunft24 veröffentlicht vertrauliches Dokument

Mieterauskunft24 veröffentlicht vertrauliches Dokument

8. Januar 2012

Es vergeht kaum ein Tag, an dem es nichts amüsantes über die Mieterauskunft24 zu berichten gibt. Mit einer einstweiligen Verfügung wurde mir vergangenes Jahr untersagt, Inhalte aus Briefen/Faxen/E-Mails der Mieterauskunft24 wörtlich zu zitieren, die mit einem Vertraulichkeitsvermerk gekennzeichnet sind. Der Betreiber der Mieterauskunft24 versieht seitdem anscheinend einfach JEDES Schriftstück mit einem solchen Vertraulichkeitsvermerk. So sind nicht nur seine unverschämten Rechnungen höchst vertraulich – sogar sein Antragsformular für eine Selbstauskunft [pdf] ist streng geheim und liegt auf seinem eigenen Server für jedermann öffentlich zum Download bereit.

Das in Druckbuchstaben auszufüllende Antragsformular ist als sicher nett und zuvorkommend gemeint, doch es hat einige offensichtliche Mängel:

  1. Eine Ausweiskopie darf nicht pauschal, sondern nur in begründeten Einzelfällen verlangt werden
  2. Sämtliche Angaben auf dem Formular sind als optional gekennzeichnet.
  3. Vervielfältigung und Weiterleiten sind untersagt: Man darf es also nicht ausdrucken und an die Mieterauskunft24 zurückschicken?
  4. In der ausführlichen „Belehrung“ gibt der Betreiber sein grundlegendes Missverständis des Bundesdatenschutzgesetzes zum besten.
    • Falsch: Auskünfte sind kostenpflichtig, wenn keine Daten vorliegen.
      Richtig: Die erste Auskunft im Kalenderjahr ist unentgeltlich (§34 BDSG Abs. 8)
    • Falsch: Für eine Selbstauskunfts-Anfrage soll ein Interessent im Voraus eine Gebühr entrichten, die er später vielleicht zurückbekommt.
      Richtig: Erst bei einer weiteren Auskunft (z.B. die zweite im Kalenderjahr) kann unter Umständen ein Entgelt verlangt werden (§34 BDSG Abs. 8)
    • Falsch: Es kommt ein rechtsgültiger Vertrag zustande
      Richtig: Für eine Selbstauskunft nach §34 BDSG bedarf es keines Vertrags. Selbstauskünfte nach dem BDSG dürfen nicht mit Angeboten wie z.B. der  kostenpflichtigen SCHUFA-Bonitätsauskunft verwechselt werden, für die ein Vertrag erforderlich wäre.

Zum Glück kann eine Selbstauskunft formlos angefordert werden, weshalb auch niemand auf solche Formulare angewiesen ist. Für mich hat sich die Mieterauskunft24 jegliche Kompetenz verspielt. Muss man eigentlich irgendwelche fachlichen Voraussetzungen erfüllen, um so einen Laden aufzumachen?

Falls die Mieterauskunft24 hier mitliest: Mein Browser behauptet, eure Seite wäre nicht vertrauenswürdig! (-> SSL-Zertifikat ist abgelaufen, bitte erneuern)

KategorienAllgemein Tags: ,
  1. jackmack
    8. Januar 2012, 12:05 | #1

    Das PDF ist sehr amüsant zu lesen und enthält diverse Rechtschreibfehler…
    Halte uns auf dem Laufenden. 🙂

  2. Peter Pan
    8. Januar 2012, 13:06 | #2

    Hab mir das Dokument vor ein paar Tagen schon mal angeschaut. Und in Verbindung mit der FAQ ist es wirklich sehr lustig.
    Ich glaube es zeigt auch, warum Herr G. sich so gegen die unentgeltliche Auskunft aufregt.

    In seiner Kostenrechnung hat er das BDSG nicht beachtet und dachte, dass er von Mietern noch mal zusätzlich Geld einnehmen kann. Und jetzt ist die vermeintliche Geldeinnahmequelle zu einem Kostenfaktor geworden.

  3. Peter Pan
    8. Januar 2012, 19:06 | #3

    Die Seite ist ja nun sehr vertrauenerweckend 😀 Frag mich ob es jetzt auch post gibt, weil wir hier über dieses […] Dokument reden ^^

  4. Christoph
    8. Januar 2012, 22:55 | #4

    Können die Anfragen aktuell an Mieterauskunft24 nicht zugestellt werden? Falls ja, sollte ich dann am besten selbst eine Anfrage starten?

  5. Jens
    12. Januar 2012, 11:41 | #5

    Sogar seine Datenschutzerklärung auf der Seite strotzt vor Fehlern. So behauptet er unter „§2 Automatische Datenerfassung“, dass „nach der Auswertung werden diese Daten gelöscht“ würden. Unter §9 „Google Analytics“ gibt er durch den verpflichtenden Google-Standard-Text allerdings an, dass sämtliche gesammelte Daten, die durch die Nutzung der Website erhoben wurden, auf Google-Servern im Ausland gespeichert werden. Gelöscht wird dort aber sicher nicht nach einer statistischen Auswertung.
    Zudem gibt er bei §9 an, dass die IP-Adresse durch „den Code „gat._anonymizeIp();“ erweitert wurde, um eine anonymisierte Erfassung von IP-Adressen zu gewährleisten.“ Schaut man dazu in den Quelltext der Seite findet man den entsprechenden Code im Analytics-Javascript-Tag nirgends. Und genau dort muss er aber stehen. Wenn mich nicht alles täuscht, kann man bei der derzeitigen Rechtslage sogar eine Abmahnung und Unterlassungserklärung gegen diese Datenschutzerklärung erwirken.

  6. Jens
    12. Januar 2012, 11:50 | #6

    Weiterhin geben seine AGB auch ein Rätsel auf. So gibt er an, dass ein Widerruf „per Einschreiben“ an die Firma zu richten sei. Gemäß der gültigen Rechtslage bedarf es mitnichten eines Einschreibens, um einen wirksamen Widerruf einzureichen (sofern man die Frist wahrt). Eine formlose E-Mail oder ein Fax reichen vollkommen aus.

    Auch hier dürfte man aufgrund der fehlerhaften Widerrufsbelehrung mit dem richtigen Anwalt ohne Probleme eine Unterlassungserklärung samt Abmahnung erwirken können. 😉

  7. Julian
    20. Januar 2012, 18:20 | #7

    Peter Pan :

    Frag mich ob es jetzt auch post gibt, weil wir hier über dieses […] Dokument reden

    Jau, hab gerade Post bekommen – darf ich aber nicht veröffentlichen. Wer eine Kopie haben möchte, schreibt mich einfach an. Lieber Herr G. von der Mieterauskunft24 – lassen Sie Briefe doch künftig von Ihrer Anwältin gegenlesen, bevor Sie diese an uns schicken.

    @Jens An dem „Fehler“ mit dem fehlenden Aufruf von anonymizeIp() sei sein Programmierer schuld. Ist jetzt behoben.

Kommentare sind geschlossen
Powered by: Digineo - Web-Entwicklung in Ruby On Rails und PHP